Tradition trifft Moderne – Kulturjuwelen in Baden-Baden

Wie fängt man das Wesen, die Seele, einer Stadt ein, die auf eine zweitausendjährige Geschichte zurückblickt? Worte allein reichen da kaum. Man muss die Magie erlebt haben, die von Baden-Baden, diesem kleinen Schmuckstück an der Oos, ausgeht und bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft verloren hat.

Oft wird geschrieben, seine Glanzzeit als Sommerhauptstadt Europas läge im 19. Jahrhundert. Und in der Tat pilgerten damals Adelige und Bürger, Industrielle und Künstler, Zaren und Fürsten nach Baden-Baden und prägten mit ihren Ansprüchen und Interessen das gesellschaftliche Leben. Die Relikte dieser Zeit prägen bis heute das Stadtbild: das beeindruckende Kurhaus, der Musikpavillon, die eleganten Luxushotels, allen voran das Brenners Parkhotel, die Internationalen Pferderennen in Iffezheim. Und doch wird man damit allein der eigentlichen Faszination nicht einmal ansatzweise gerecht. Denn wo sich andere Kurorte auf ihrer glorreichen Vergangenheit ausruhen, hat sich Baden-Baden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neu erfunden, war dem Zeitgeist stets aufgeschlossen und bereit, mutig in Richtung Zukunft zu blicken.

Festspielhaus

Bestes Beispiel ist das Festspielhaus – mit 2.500 Plätzen Deutschlands größtes Opern- und Konzerthaus. Noch bei seiner Eröffnung im Jahre 1998 glaubte kaum jemand, dass ein so großes Opernhaus ausgerechnet hier erfolgreich sein könnte. Doch die Zweifler sollten eines Besseren belehrt werden. Heute ist das Kultur-Juwel das einzige deutsche Bühnenhaus, das ohne Subventionen auskommt und wird von Kritikern wie Besuchern gefeiert. Architektonisch liegen hier Alt und Neu nah bei einander. Beim Bau wurde der ehemalige Stadtbahnhof als repräsentatives Foyer miteinbezogen. So gehen dessen elegante Fassade im Stil der Neorenaissance und die puristischen Linien des eigentlichen Konzerthauses eine unvergleichliche Liaison aus Tradition und Moderne ein.

 

Theater Baden-Baden

Ein nicht weniger mutiger Schritt war bei seiner Eröffnung im Jahre 1862 das Theater Baden-Baden. Der aus Paris stammende Spielbankpächter Edouard Bénazet, nach dem noch heute der prunkvolle Hauptsaal des Kurhauses benannt ist, ließ es von dem Architekten Charles Couteau errichten, um neben dem Vergnügen des Glücksspiels auch die feinen Künste an den Fuße des Schwarzwalds zu holen. Mit Erfolg! Neben Gastspielen, vor allem der Pariser Theater, machten musikalische Highlights wie ein Konzertabend von Johann Strauss im Jahr 1872 oder die Probeaufführung des „Doppelkonzerts“ 1887, bei der Johannes Brahms selbst sein Orchester leitete, Baden-Baden deutschlandweit als Kulturstadt berühmt. Extra für das Theater komponierte zudem Louis Hector Berlioz seine Oper „Béatrice et Bénédict“, die hier uraufgeführt wurde.

 

Lichtentaler Allee

Neben Schauspiel und Musik besitzen aber auch die bildenden Künste einen besonderen Stellenwert im schillernden Kulturleben der Stadt. So hat sich die Lichtentaler Allee in den letzten Jahren zu einer einzigartigen Kunstmeile entwickelt, wie man sie selbst in großen Metropolen nur selten findet. Gleich zu Beginn des schmucken Pracht-Boulevards erhebt sich auf einem Hügel der neoklassizistische Bau der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1909 ist sie Schaufenster für klassische, moderne und zeitgenössische Werke. Vier bis sechs Ausstellungen pro Jahr sind einzelnen Künstlerpersönlichkeiten und aktuellen wie historischen Fragen der Kunst gewidmet.

 

Museum Frieder Burda

Nur wenige Schritte entfernt öffnete 2004 das Museum Frieder Burda seine Pforten und brachte es seither bereits zu weltweiter Anerkennung. Allein der strahlend weiße, lichtdurchflutete Bau des New Yorker Star-Architekten Richard Meier ist bereits ein eigenes Kunstwerk und fügt sich doch harmonisch in das traditionelle Bild der altehrwürdigen Lichtentaler Allee. Form, Linienführung und Abmessungen des neuen Gebäudes korrespondieren mit der neoklassizistischen Kunsthalle und bewahren gleichzeitig ihre eigene Identität. Neben der umfangreichen Sammlung Frieder Burdas, die vom Deutschen Expressionismus bis in die Gegenwart reicht, sorgen vor allem wechselnde Ausstellungen immer wieder für Furore.

 

Stadtmuseum

Die Brücke von der Moderne zur Tradition schlägt das Stadtmuseum im Alleehaus, einer früher als Hotel genutzten Villa. Die ständige Ausstellung bietet Einblicke in die facettenreiche Geschichte Baden-Badens mit seiner über zweitausendjährigen Historie als Bade- und Kurort und dem beispiellosen Aufstieg zum mondänen Weltbad des 19. Jahrhunderts. Wechselnde Sonderausstellungen zu kultur- und stadthistorischen Themen runden das Erlebnis ab. Ein neu errichteter gläserner Pavillon beherbergt Steindenkmäler und plastische Bildwerke von der Römer- bis zur Neuzeit, darunter die spätgotischen Portalfiguren der Stiftskirche.

 

Kulturzentrum LA8

Mit dem Kulturzentrum LA8 reihte sich im März 2009 die neueste Perle in der Kette der Museen ein. Das historische Gebäude in der Lichtentaler Allee 8 zwischen Theater und Kunsthalle wurde liebevoll restauriert und um einen modernen Anbau ergänzt. Darin befindet sich seither das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts. Das in seiner Konzeption deutschlandweit einzigartige Haus widmet sich den spannenden Wechselspielen zwischen diesen beiden Schaffensrichtungen und zeigt auf, wie sich Feingeist und Pragmatismus gegenseitig fortwährend beeinflusst und inspiriert haben.